Sie sind Mitarbeiter der Fluggesellschaft Germania: Insolvenz – Ängste setzen Ihnen zu? Wir helfen Ihnen jetzt!

Was passiert mit den Arbeitsverhältnissen?

Zunächst müssen Sie wissen, dass die Insolvenz des Arbeitgebers nicht automatisch zur Beendigung der Arbeitsverhältnisse führt. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens tangiert Ihre Arbeitnehmerschutzrechte also keinesfalls, so dass der Insolvenzverwalter die arbeitsrechtlichen Vorschriften - von einigen Ausnahmen abgesehen - beachten muss.

Erwartet mich eine Kündigung?

Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ist grundsätzlich kein Kündigungsgrund. Das heißt, dass die Kündigungen nämlich nach den normalen Regeln des Arbeitsrechts erfolgen: Das Schriftformerfordernis, die Vorschriften des Kündigungsschutzgesetztes sowie die Beteiligungsrechte gelten uneingeschränkt. Bei betriebsbedingten Kündigungen muss aber stets die sogenannte Sozialauswahl durchgeführt werden: Faktoren, wie Betriebszugehörigkeit, Lebensalter und Unterhaltspflichten sind dann von Bedeutung.

Allerdings kann der Insolvenzverwalter Kündigungen auf dringende betriebsbedingte Gründe wegen Einstellung des Flugbetriebs und Wegfall von Beschäftigungsmöglichkeiten stützen.

Spricht Ihnen der Insolvenzverwalter also eine willkürliche Kündigung gegenüber aus, ist diese unwirksam.

Kündigungsfrist? Welche Fristen bestehen?

Die Insolvenz bringt allerdings Besonderheiten bzgl. der Fristen mit sich: Die Kündigungsfrist ist höchstens drei Monate zum Monatsende. Diese Frist verdrängt jede andere längere vertragliche Kündigungsfrist.

Damit Sie keine Rechtsnachteile erleiden, ist in jedem Fall rechtzeitig eine Kündigungsschutzklage erforderlich. Die Klagefrist von drei Wochen nach Zugang der Kündigung müssen Sie hierbei dringend beachten. Versäumen Sie diese Frist, tritt die Rechtswirksamkeit der Kündigung ein. Diese Klage muss - wenn Sie sie erhoben haben - nicht zwingend fortgeführt werden, sondern kann auch Klagerücknahme vorteilhafter wieder aus der Welt geschafft werden. Gemeinsam klären wir, welche Variante für Sie mehr Vorteile bringt.

Der ein Antrag auf Insolvenzgeld muss innerhalb von zwei Monaten ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei der örtlichen Arbeitsagentur gestellt werden. Lesen Sie mehr zu diesem Antrag in der rechten Spalte unter der Rubrik:

Ihre Ansprüche als Mitarbeiter der Fluggesellschaft Germania: Insolvenz im Überblick.

Welche Rechte und Pflichten habe ich?

An den besonderen Fristen zeigt sich, dass Sie als Arbeitnehmer nicht schutzlos sind: Um an Ihre Rechte zu kommen, dürfen Sie aber keineswegs tatenlos bleiben!

Wenn Ihnen gekündigt wurde, müssen Sie sich im Wege einer Kündigungsschutzklage innerhalb von drei Wochen dagegen zur Wehr setzen. Die Erhebung der Klage stellt sicher, dass Sie keinerlei Rechtspositionen verlieren. Wurde Ihnen in Ihrem Vertrag eine längere Kündigungsfrist zugesichert, können Sie vom Insolvenzverwalter, den ihm durch die vorzeitige Kündigung den sogenannten entstandenen Verfrühungsschaden verlangen. Dieser wird als Insolvenzforderung zur Insolvenztabelle angemeldet.

Ihre Ansprüche als Mitarbeiter der Fluggesellschaft Germania: Insolvenz im Überblick

Insolvenzforderungen

Ihre Ansprüche als Arbeitnehmer aus rückständigen Vergütungen sind einfache Insolvenzforderungen. Dies hat zur Folge, dass diese Forderungen nicht sofort beglichen werden, sondern zur Insolvenztabelle angemeldet werden müssen. Diese Ansprüche werden erst mit Beendigung des Insolvenzverfahrens zu einer bestimmten Quote befriedigt. Im schlimmsten Falle sehen Sie dieses Geld erst Jahre später. Allerdings führt die Insolvenzanmeldung dazu, dass diese Verjährung der Ansprüche später eintritt und Sie die Ansprüche nicht wegen des Verfahrens verlieren.

Fragen zur Forderungsanmeldung in der Insolvenztabelle? Direkt anrufen!

Insolvenzgeld

Wenn Ihnen durch die späte Begleichung Ihrer Forderungen Verluste entstehen, Sie können bei der Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld beantragen. Die Arbeitsagentur zahlt die ausstehenden Gehälter in Höhe des Nettolohns von bis zu drei Monaten vor Insolvenzeröffnung. Auch Weihnachts- und Urlaubsgelder sowie Beiträge zu Direktversicherung können Sie hier beantragen.

Masseverbindlichkeiten

Ihre Lohnansprüche, die nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstehen, sind Masseforderungen. Masseforderungen werden nicht zur Insolvenztabelle angemeldet, sondern werden in vollem Umfang und sofort aus der Masse befriedigt.

Deshalb ist die Frage, ob eine Forderung um eine Insolvenz- oder eine Masseforderung darstellt, ist von essenzieller Bedeutung und hängt wesentlich davon ab, wann die Forderung erarbeitet worden ist. Bei Gratifikationen, Sonderzahlungen, Tantiemen, 13. Gehältern oder ähnlichen Leistungen, ist deshalb genau zu prüfen, wann genau diese Ansprüche entstanden sind. Werden nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens Aufhebungs- und Abwicklungsverträge zählen diese zu den Masseverbindlichkeiten.

Abfindung?

Das Kündigungsschutzgesetz schützt den Bestand des betroffenen Arbeitsverhältnisses.

Im Kündigungsschutzprozess können Sie Ihre Abfindung einfordern. Die Höhe richtet Ihrer Abfindung richtet sich regelmäßig nach der Dauer Ihrer Betriebszugehörigkeit.

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Insolvenz und Betriebsübergang: Was bedeutet das?

Presseberichten zufolge war unter anderem auch vom Verkauf der Germania-Gruppe die Rede. Sollte es tatsächlich zum Verkauf des gesamten Betriebs oder von Teilen davon kommen, erfolgt ein Betriebs(teil)übergang, wenn ein neuer Investor die bestehende wirtschaftliche Einheit unter Wahrung der alten Identität fortführt.

Dies führt dies dazu, dass Ihr Arbeitsverhältnis mit allen Rechten und Pflichten auf den Erwerber übergeht. Dies wäre für Sie in der Regel vorteilhaft, weil dann all Ihre bisher erworbenen Besitzstände erhalten blieben.

Auch nach dem Kauf muss der Betriebsteil als organisatorisch abgrenzbare Einheit fortbestehen. Ein Betriebsteilübergang ist hingegen ausgeschlossen, wenn ein Betriebsteil vollständig in die deutlich größere Organisationsstruktur eines anderen Unternehmens eingegliedert wird. Diese Frage werden die Gerichte mittels Einzelfallbetrachtung vornehmen, wenn es so weit ist.

Das Verhältnis zur Kündigung

Eine Kündigung, die we­gen des Über­gangs des Be­triebs oder Be­triebs­teils ausgesprochen wird, ist unwirksam.

Um die Unwirksamkeit einer solchen Kündigung geltend zu machen, muss der Arbeitnehmer auch hier unbedingt eine Kündigungsschutzklage rechtzeitig erheben. Anderenfalls wird die Kündigung rechtswirksam.

Im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens kann dann überprüft werden, es sich um eine unzulässige Kündigung wegen eines Betriebsübergangs oder einer solchen aus anderen Gründen handelte.

An alle Betroffenen: Vorsicht bei zu raschen Handlungen

Wenn Sie als Arbeitnehmer auf eigene Faust kündigen oder wenn Sie das Arbeitsverhältnis einvernehmlich durch einen Aufhebungsvertrag beenden, können Sie sich grundsätzlich nicht mehr auf die Arbeitnehmerschutzrechte berufen. Ausnahmsweise können Sie sich auf die Nichtigkeit des Aufhebungsvertrages berufen, wenn Ihrem Arbeitgeber eine Umgehungsabsicht nachgewiesen werden kann.

Seien Sie vorsichtig bei der Unterzeichnung irgendwelcher Vertrage und lassen Sie zuvor einen Anwalt darüber schauen!