GmbH Insolvenz: die 7 Todsünden, die Ihnen als Geschäftsführer jetzt Kopf und Kragen kosten können

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Die 7 Todsünden: Als GmbH-Geschäftsführer stehen Sie bei einer Insolvenz immer auch im Visier der Staatsanwaltschaft – ganz routinemäßig, unabhängig von Ihrer individuellen Unternehmenssituation.

Denn das Insolvenzgericht ist verpflichtet, die Staatsanwaltschaft entsprechend zu informieren. Diese prüft dann aufgrund des Legalitätsprinzips, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen einer Straftat gegen die Geschäftsführung oder die Gesellschafter einleitet. Es ist deshalb wichtig, dass Sie nicht aus Unkenntnis eine der folgenden Todsünden begehen – und sich damit nicht nur in strafrechtliche, sondern auch in zivilrechtliche Schwierigkeiten bringen:

 

Todsünde 1:       Sie kommen Ihren Informationspflichten nicht nach

 

Sobald das Vermögen der GmbH nicht mehr die Hälfte des Kapitals deckt, müssen Sie unverzüglich eine Gesellschafterversammlung einberufen. Denn eine Verletzung der Informationspflicht könnte die Haftung auf Schadensersatz begründen. Hintergrund: Zu Ihren Pflichten als GmbH-Geschäftsführer gehört es, in der Krise alle Sanierungsmöglichkeiten zu prüfen und mit Ihren Gesellschaftern abzustimmen. „GmbH-Insolvenz: Die 7 Todsünden, die Sie als Geschäftsführer jetzt Kopf und Kragen kosten können.“

 

Todsünde 2:       Sie nehmen Auszahlungen an Ihre Gesellschafter vor, die zu einer Unterbilanz führen

 

Was versteht man eigentlich unter einer Unterbilanz? Sie liegt immer dann vor, wenn Fehlbeträge durch Verluste und/oder Verlustvorträge das Stammkapital entscheidend schmälern. Wenn Sie in dieser Situation Auszahlungen an Ihre Gesellschafter vornehmen – oder wenn durch diese Auszahlungen eine Unterbilanzierung erst entsteht, so begehen Sie eine schuldhafte Verletzung Ihrer Pflichten. Die Folgen: neben möglichen Schadensersatzansprüchen Ihrer Gläubiger oder der Gesellschafter Ihrer GmbH auch eventuelle strafrechtliche Konsequenzen.

 

Todsünde 3:       Sie beziehen weiter Leistungen oder Produkte, ohne Ihre Geschäftspartner über Ihre Situation aufzuklären

 

Keine Frage: Lieferanten und Geschäftspartner über eine Krisensituation zu informieren, will wohl bedacht und mit Fingerspitzengefühl durchgeführt sein. Achten Sie aber besonders darauf, keine weiteren Verbindlichkeiten einzugehen, die Sie nicht zu den entsprechenden Fälligkeiten tilgen können. Dies begründet nicht nur zivilrechtliche, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen. Besser: Sprechen Sie mit langjährigen Lieferanten offen über ein mögliches Entgegenkommen.

 

 

Todsünde 4:       Sie führen bei Zahlungsengpässen die Lohnsteuer nicht anteilig ab

 

Die Liquidität ist knapp und sie zahlen erst mal einen Teil der Löhne und Gehälter aus, soweit es geht? Gut so! Achten Sie aber auch darauf, entsprechend die Lohnsteuer für Ihre Mitarbeiter abzuführen! Denn mit der Auszahlung an Ihre Mitarbeiter haben Sie auch die Pflicht, die öffentlichen Stellen entsprechend zu bedienen. Diese Tatsache ist wenig bekannt – und von Anfang an in Ihre Zahlungsplanung einzubeziehen.

 

Todsünde 5:       Sie erlauben sich eine mangelhafte Buchführung

 

Wenn alles drunter und drüber geht, verliert man leicht den Überblick über die Situation. Sie machen sich jedoch rechtlich angreifbar, wenn Sie sich eine mangelhafte Buchführung leisten. Davon spricht man, wenn die Geschäftsvorgänge nicht innerhalb eines Monats verbucht sind. Sehen Sie der

Tatsache ins Auge: Sie befinden sich in einer kritischen Situation. Seien Sie versichert: Nicht genau zu wissen, wie schlimm es tatsächlich steht, kostet Sie viel mehr Nerven als die Wahrheit!

 

 

Todsünde 6:       Sie vernachlässigen den Jahresabschluss

 

Ihre Zahlen schwarz auf weiß? Der Jahresabschluss bietet Ihnen die exakte Übersicht darüber, wie das Jahr tatsächlich gelaufen ist. Sie haben als GmbH-Geschäftsführer die Pflicht, diese Zahlen in den ersten sechs Monaten des folgenden Geschäftsjahres beim Finanzamt einzureichen – sonst entsteht ein Problem.

 

Todsünde 7:       Sie geraten mit der Abführung der Sozialversicherungsbeiträge in Rückstand

 

Hier kommt es darauf an, bei den Sozialversicherungsbeiträgen zumindest den

Arbeitnehmeranteil abzuführen. Waren Sie in den letzten Monaten dazu nicht in der Lage? Dann sollten Sie mit Ihrem Rechtsbeistand zusammen über eine Selbstanzeige nachdenken.

 

Und wie geht es jetzt weiter?

 

Sie stecken nicht nur als Geschäftsführer, sondern auch als Mensch in einer fordernden Phase. Von Ihrem Handeln hängt es jetzt ab, ob Sie diese Krise als Profi bewältigen und gestärkt aus ihr hervorgehen können.

 

Aus unserer langjährigen Erfahrung als Insolvenzverwalter heraus kann ich Ihnen nur ans Herz legen: Verschließen Sie jetzt nicht die Augen vor den Tatsachen! Holen Sie sich so schnell es geht Hilfe bei Fachleuten Ihres Vertrauens: Bei Ihrem Steuerberater, guten Unternehmerkollegen oder eben einem Fachmann, der sich auf Ihre aktuelle Situation, nämlich eine Insolvenz oder eine drohende

Zahlungsunfähigkeit, spezialisiert hat.

 

Eine Insolvenz kann nämlich auch für einen Neuanfang stehen: Einen Neuanfang für Sie als Persönlichkeit, nach vielleicht Jahren des Kampfes um die Rettung Ihres Unternehmens. Oder ein frischer Start für Ihr Unternehmen, nachdem belastende Altschulden nach allen rechtlichen Anforderungen abgewickelt wurden.

 

Wir können Ihnen versichern: Es gibt auch in der schwierigsten Situation eine Vielzahl von Möglichkeiten, die man sich als Betroffener zunächst einmal nicht alle vorstellen kann.

 

 

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