Privatinsolvenz anmelden: Das müssen Sie beim Antrag beachten

1. Den Insolvenzantrag Schritt für Schritt gemeinsam vorbereiten

Einen Antrag auf Privatinsolvenz müssen Sie gut vorbereiten und dabei nach den Vorschriften der Insolvenzordnung (InsO) gewisse Voraussetzungen beachten.

Grundsätzlich können Sie den Antrag selbst erstellen und bei Gericht einreichen. Lediglich den außergerichtlichen Einigungsversuch mit Ihren Gläubigern müssen sie zwingend von einer geeigneten Stelle wie einem Rechtsanwalt für Insolvenzrecht durchführen lassen. Es ist allerdings nicht leicht, in einer solchen Notlage den Überblick zu behalten und alle Voraussetzungen einzuhalten.

Die auf das Insolvenzrecht spezialisierten Rechtsanwälte unserer Kanzlei helfen Ihnen gern zuverlässig und vertrauensvoll bei jedem einzelnen der folgenden Schritte vor und während des Insolvenzverfahrens:

(1) Außergerichtliche Schuldenbereinigung und offizielle Bescheinigung

Das Gericht darf Ihr Insolvenzverfahren nur eröffnen, wenn eine fachkundige Stelle belegen kann, dass alle außergerichtlichen Einigungsversuche mit Ihren Gläubigern gescheitert sind. Wir als spezialisierte Rechtsanwälte sind dazu befugt, diese Verhandlungen vorzubereiten, zu führen und zu bescheinigen.

(2) Zulässigkeit des Privatinsolvenzverfahrens prüfen

Sind Sie selbstständig tätig oder waren es in der Vergangenheit, so können wir für Sie prüfen, ob die Privat- oder die Regelinsolvenz für Sie der richtige Weg ist.

(3) Zuständiges Insolvenzgericht an Ihrem Wohnort ermitteln

Nicht jedes Amtsgericht verfügt auch über eine Insolvenzabteilung. Wir ermitteln für Sie, an wen Sie Ihren Antrag richten müssen.

(4) Schriftlichen Antrag mit allen notwendigen Angaben zu Ihrer Person erstellen

Wir bereiten gemeinsam mit Ihnen den Antrag auf Privatinsolvenz für Sie vor und beachten alle für das Gericht notwendigen Formalitäten.

(5) Vermögensaufstellung: Aktuelle Schulden, alle Gläubiger, alle regelmäßigen Einnahmen und das Vermögen

Haben Sie den Überblick über Ihre Finanzlage verloren? Das ist für uns kein Problem – bringen Sie einfach Ihre Unterlagen zu unserem Termin mit und wir erstellen für Sie eine übersichtliche Finanzaufstellung.

(6) Schuldenbereinigungsplan

Es muss ein fachmännischer Plan zur Bereinigung Ihrer Schulden erstellt werden – damit kennen wir uns bestens aus.

(7) Sinnvoll: Antrag auf Erteilung der Restschuldbefreiung

Nach der Insolvenzordnung kann man diesen Antrag bereits jetzt stellen oder erklären, dass die Restschuldbefreiung nicht beantragt werden soll.

(8) Sinnvoll: Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten

Außerdem ist es sinnvoll, einige weitere Anträge, wie z.B. den Antrag auf Restschuldbefreiung und Stundung der Verfahrenskosten gleich mit zu stellen.

Gern beraten wir Sie zudem auch hinsichtlich aller für Sie wichtigen Fragen:

2. Wann sollte man Privatinsolvenz beantragen?

Sie dürfen eine Privatinsolvenz zum einen dann einreichen, wenn Sie als „zahlungsunfähig“ oder „überschuldet“ gelten. Zum anderen ist es bereits möglich, diese vorsichtshalber schon dann einzuleiten, wenn eine solche Situation erst droht. Für Schuldner birgt diese Möglichkeit jedoch oft ein Dilemma. Sollen sie noch versuchen, sich aus eigener Kraft aus der Schuldenfalle zu ziehen oder machen sie es damit nur noch schlimmer?

Oft hat man jedoch keinen Überblick mehr, wie genau die Lage eigentlich aussieht und ob man überhaupt noch in der Lage ist, mit dem eigenen Einkommen oder Vermögen in absehbarer Zeit die Schulden zu tilgen. Steht Ihnen das Wasser schon bis zum Hals, zögern Sie nicht, einen Anwalt für Insolvenzrecht aufzusuchen. Wir stellen einen Finanzplan auf, schätzen Ihre Lage richtig ein und beraten mit Ihnen den für Sie bestmöglichen Weg. Nicht immer führt dieser in die Insolvenz. Oft bieten sich viele andere Möglichkeiten der Schuldenbereinigung, bevor man den Weg in die Privatinsolvenz geht. Wir zeigen Ihnen Ihre Möglichkeiten auf.

Ein Finanzplan enthält zum einen die Höhe Ihrer aktuellen Schulden und den daraus erwachsenden Zinsen. Dann ermitteln wir für Sie die Kosten für das Verbraucherinsolvenzverfahren. Den so ermittelten Betrag gleichen wir mit Ihrem derzeitigen pfändbaren Vermögen, Ihren Unterhaltsverpflichtungen und einer realistischen Prognose Ihrer Einkünfte in den nächsten Jahren ab.

Auf dieser Basis können wir nun zwei Prognosen erstellen und miteinander vergleichen: In der ersten schauen wir, wie viele Ihrer Schulden Sie in den nächsten sechs Jahren aus eigener Kraft tilgen können. Die zweite berechnet, wie Ihre Situation im Fall eines Insolvenzverfahrens aussehen würde, an dessen Ende Sie in jedem Fall schuldenfrei sein werden. Sollte der Weg der Privatinsolvenz für Sie günstiger sein, gehen wir ihn mit Ihnen Schritt für Schritt.

3. Die außergerichtliche Schuldenbereinigung – Voraussetzung für den Antrag

Im nächsten Schritt schreiben wir all Ihre Gläubiger an und bitten diese um Auskunft über den aktuellen Stand ihrer Forderungen mit Zinsen und eventuellen Nebenkosten. Die Gläubiger sind verpflichtet, hierauf zu antworten.

Auf dieser Basis erstellen wir einen sog. Schuldenbereinigungsplan. Dieser Plan erfasst all Ihre Verbindlichkeiten und stellt Regeln auf, mit denen Ihre Schulden vollständig ausgeglichen werden können. Damit bitten wir Ihre Gläubiger um Zustimmung zu dem vorgeschlagenen Kompromiss (Insolvenzvergleich). Stimmt jedoch nur einer nicht zu, gilt der Plan als gescheitert. Kommt es zu einer Einigung, müssen Sie keinen Insolvenzantrag stellen, sondern sich nur an die Vereinbarungen halten. Die außergerichtliche Schuldenbereinigung ist geglückt.

Dieser außergerichtliche Einigungsversuch ist in § 305 Insolvenzordnung (InsO) vorgeschrieben. Grundsätzlich können Sie diesen Teil des Verfahrens zwar auch ohne fremde Hilfe bewerkstelligen, denn für das „Wie“ macht das Gesetz keine Vorgaben. Wir raten Ihnen jedoch in Ihrem eigenen Interesse dringend, bereits zum jetzigen Zeitpunkt einen „Profi“ ins Boot zu holen, der die richtigen Strategien mit den höchsten Erfolgschancen kennt und keine Fehler macht.

Scheitert der Einigungsversuch jedoch, müssen Sie den gescheiterten Einigungsversuch mit den Gläubigern durch eine „geeignete Person oder Stelle“ bescheinigen lassen. Auch diesen Schritt können unsere Anwälte für Sie erledigen. In einem nächsten Schritt werden wir dann den Insolvenzantrag vorbereiten.

4. Wer kann Privatinsolvenz beantragen?

Zunächst müssen wir überlegen, ob Sie eine Verbraucherinsolvenz oder eine Regelinsolvenz beantragen müssen. Die Verbraucherinsolvenz dürfen grundsätzlich nur Privatpersonen wie Arbeitnehmer, Beamte, Kleingewerbetreibende, Arbeitslose und Rentner anmelden. Vereine und Unternehmen sind hingegen immer von diesem Verfahren ausgeschlossen. Wer seinen Verdienst aus selbstständiger Tätigkeit erhält – als Unternehmer, Gewerbetreibender, Freiberufler oder sonstiger (ehemalige) Selbstständiger – muss ebenfalls grundsätzlich ein Regelinsolvenzverfahren anmelden.

Allerdings ist nicht immer klar, wer überhaupt als Selbstständiger gilt. Kleinunternehmer dürfen trotz Gewerbe oder freiberuflicher Tätigkeit in die Privatinsolvenz gehen. Und auch für (ehemalige) Selbstständige und Freiberufler gibt es Ausnahmen, in denen das Verbraucherinsolvenzverfahren das richtige ist. Voraussetzung hierfür ist nach § 304 der Insolvenzordnung (InsO), dass ihre Vermögensverhältnisse als überschaubar gelten. Das heißt, sie dürfen nicht mehr als 19 Gläubiger und keine Schulden aus Arbeitsverhältnissen haben (wie z.B. ausstehende Gehaltszahlungen, Verbindlichkeiten den Sozialversicherungsträgern gegenüber oder die Lohnsteuer). Allerdings können bei der Einordnung als Kleinunternehmer oder Selbstständiger im Einzelfall Unklarheiten entstehen. Wir finden in jedem Fall das für Sie richtige Verfahren.

5. Wo reicht man den Antrag auf Privatinsolvenz ein?

Der Antrag auf Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens muss bei dem für Sie zuständigen Insolvenzgericht eingereicht werden. Diese Gerichte sind immer bei einem lokalen Amtsgericht für Zivilsachen angesiedelt. Allerdings hat nicht jedes Amtsgericht auch ein Insolvenzgericht, sodass möglicherweise das Gericht an Ihrem Wohnort nicht zuständig ist. Während beispielsweise an unseren Standorten Stuttgart und Göppingen ein eigenes Insolvenzgericht existiert, ist für den Standort Reutlingen das Amtsgericht Tübingen und für Leonberg das Amtsgericht Ludwigsburg zuständig. Wir ermitteln für Sie auch an anderen Wohnorten den richtigen Adressaten Ihres Antrags.

6. Wie beantragt man Privatinsolvenz?

Der Antrag selbst muss in schriftlicher Form an das Gericht übermittelt werden. Viele unserer Mandanten wünschen sich jedoch so wenig Kontakt wie möglich mit dem Richter. Mit unserer Hilfe kann Ihr Kontakt zum Gericht auf ein Minimum reduziert werden. Wenn Sie uns mandatieren, geben Sie uns eine Vollmacht, die uns erlaubt, die gesamte Korrespondenz mit Ihren Gläubigern und dem Gericht zu übernehmen und Ihnen alle wichtigen Informationen elektronisch zukommen zu lassen. Gern beraten wir Sie auch überregional, sollten Sie einen Ansprechpartner bevorzugen, der weiter von Ihrem Wohnort entfernt ist. Mit uns können Sie auch gern alle Fragen online klären.

7. Wie können Sie reagieren, wenn Ihre Gläubiger Insolvenz beantragt haben?

Manche unserer Mandanten haben sich allerdings nicht aus freien Stücken für eine Privatinsolvenz entschieden, sondern wurden von ihren Gläubigern mit einem entsprechenden Antrag dazu angehalten. Die Privatinsolvenz darf tatsächlich vonseiten der Gläubiger beantragt werden. Häufig wird dieses Recht von öffentliche Stellen wie beispielsweise der Krankenkasse, der Berufsgenossenschaft oder dem Finanzamt in Anspruch genommen.

Liegt Ihnen ein entsprechender Antrag vor, kontaktieren Sie uns so schnell wie möglich! Sind Sie nämlich noch zahlungsfähig, so können Sie ein Insolvenzverfahren mit einer sofortigen Zahlung noch abwenden. Hatten Ihre Gläubiger hingegen Recht, müssen Sie einen eigenen Insolvenzantrag stellen. Doch nur, wenn Sie sich an die gesetzliche Frist von drei Monaten halten haben Sie später noch eine Chance auf Restschuldbefreiung!

Wir beraten Sie und finden mit Ihnen gemeinsam die richtige Lösung.