Ablauf der Privatinsolvenz

Das gesamte Insolvenzverfahren besteht seit der Reform zum 1. Juli 2014 aus 4 bis 6 aufeinander folgenden Verfahrensstufen:

  1. Außergerichtlicher Einigungsversuch – Die erste Phase haben Sie bereits durchlaufen, wenn Ihr Antrag vor Gericht liegt
  2. Ggf. Gerichtlicher Einigungsversuch
  3. Vereinfachtes Insolvenzverfahren
  4. Wohlverhaltensphase
  5. Ggf. Insolvenzplanverfahren
  6. Restschuldbefreiung

Damit Sie sich eine Vorstellung machen können, was während einer Privatinsolvenz vor und hinter den Kulissen vor sich geht, möchten wir Sie mit dem genauen Ablauf vertraut machen.

1. Das Gericht überprüft Ihren Antrag

Nach Eingang Ihres Antrages prüft das Gericht zunächst die Vollständigkeit Ihrer Angaben sowie die Zulässigkeit Ihres Antrags auf Privatinsolvenz.

2. Weiterer Versuch zur Einigung mit den Gläubigern

Bevor das Gericht das vereinfachte Privatinsolvenzverfahren eröffnet, prüft es noch einmal, ob ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren erfolgreich sein könnte. Sollte sich der Insolvenzrichter dafür entscheiden, schreibt er noch einmal alle Gläubiger an, die Forderungen gegen Sie angemeldet haben, inklusive einer Vermögensübersicht und einem weiteren Schuldenbereinigungsplan des Gerichts. Ihre Gläubiger bekommen nochmals vier Wochen Zeit, einer außergerichtlichen Einigung zuzustimmen und sich auf einen anteiligen Verzicht oder zumindest eine Ratenzahlung einzulassen.

Sollte dieser Versuch ebenso scheitern, eröffnet der Insolvenzrichter per Beschluss das Verbraucherinsolvenzverfahren. Voraussetzung dafür ist aber, dass entweder Sie oder der Staat die Verfahrenskosten gezahlt hat.

3. Zahlung der Verfahrenskosten bzw. Antrag auf Stundung

Wie viel das Verfahren genau kostet, richtet sich nach der Insolvenzmasse. Während das Gericht nur einen einmaligen Betrag erhält, steht dem Insolvenzverwalter neben einem solchen noch eine jährliche prozentuale Vergütung zu. Das Verfahren wird über die gesamte Dauer ca. 2.000 Euro kosten. Teurer wird es, wenn mehr Masse vorhanden ist. Geht kein Geld auf dem Konto ein, so wird das Gericht normalerweise Ihren Antrag abweisen. Viele Schuldner befürchten daher die Abweisung Ihres Antrags wegen fehlender Gelder.

Das werden wir nicht zulassen! Anders als bei Unternehmen gibt es im Verbraucherinsolvenzverfahren keine „Abweisung mangels Masse“. Deswegen stellen wir rechtzeitig mit dem Insolvenzantrag einen Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten. Diese übernimmt dann erst einmal der Staat. Ihre Raten richten sich nach dem Wert Ihres pfändbaren Vermögens und können beispielsweise bei 50 Euro im Monat liegen. Der Insolvenzverwalter zieht sie automatisch vor der Verteilung Ihrer Mittel an die Gläubiger ab, Sie müssen sich nicht darum kümmern.

4. Das vereinfachte Insolvenzverfahren wird eröffnet

Ist auch dieses Problem geregelt, wird das Gericht Ihr Verfahren eröffnen. Dann können Sie sich erst einmal entspannen, denn ab diesem Zeitpunkt dürfen Ihre Gläubiger nicht mehr einzeln ihre Forderungen vollstrecken. Darüber werden sie auch vom Gericht informiert. Ab jetzt ist das vorrangige Ziel, die gesamte Gläubigergemeinschaft gleichmäßig zufrieden zu stellen.

5. Das Privatinsolvenzverfahren und der Insolvenzverwalter

Nun beginnt das eigentliche „vereinfachte Verfahren auf Privatinsolvenz“. Das Gericht setzt zunächst einen geeigneten Insolvenzverwalter – z.B. einen Rechtsanwalt für Insolvenzrecht – ein. Während der gesamten Zeit des Insolvenzverfahrens wird er Ihre Finanzen verwalten und verwerten. Dabei wird er vom Gericht überwacht.

Zunächst erstellt der Insolvenzverwalter eine Insolvenztabelle mit Angabe Ihrer Gläubiger und deren Forderungen. Auf dieser Grundlage verwertet er Ihr vorhandenes pfändbares Vermögen und versucht, materielle Güter zu Geld zu machen. Lebens- und Rentenversicherungen werden gekündigt und aufgelöst. Brauchen Sie Ihren Wagen nicht für den täglichen Weg zur Arbeit, so wird er verkauft. Bei manchen Schuldnern fallen auch Immobilien mit in die Insolvenz. Zum Schluss wird auch Ihr zukünftiges Einkommen gepfändet. Hierzu zählen Arbeitseinkommen, Rente, Pension oder Arbeitslosengeld. Den Erlös verteilt er dann nach Abzug der Verfahrenskosten an Ihre Gläubiger. Auf diesem Weg werden so viele Ihrer Schulden wie möglich ausgeglichen.

Gleichzeitig hat der Insolvenzverwalter aber auch die Aufgabe, Ihre unpfändbaren Einkünfte vor anderen Ansprüchen zu schützen. Das bedeutet, dass weder er noch jemand anderes Ihnen wegnehmen darf, was Sie zum Leben oder für Ihre Arbeit brauchen. Wie hoch dieser Betrag ist, richtet sich grundsätzlich nach Tabellen. Der Betrag kann sich unter Umständen aber erhöhen, wenn Sie in einer Sondersituation sind, z.B. hohe Miete oder hohe Unterhaltspflichten haben. Sollten Sie nicht sicher sein, wie viel Geld Ihnen zusteht, kontaktieren Sie uns gern – wir helfen Ihnen und setzen notfalls Ihre Ansprüche durch.

6. Die Wohlverhaltensperiode

Im Anschluss an diese Verteilung beginnt die Wohlverhaltensphase. Diese ist der längste und zentrale Abschnitt der Privatinsolvenz. Je nach Verfahrensart dauert dieser Teil zwischen 2 und 5 Jahren.

In dieser Phase müssen Sie eine Reihe von Auflagen erfüllen, um anschließend in den Genuss der Restschuldbefreiung zu gelangen. Sie müssen insbesondere alle nötigen Anstrengungen unternehmen, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Der Insolvenzverwalter überwacht die gesamte Wohlverhaltensperiode und hat dabei immer das Ziel im Blick, Sie langfristig und nachhaltig zu entschulden.

Mit dem Insolvenzgericht selbst werden Sie in dieser Zeit nicht mehr in Berührung kommen und keine Termine wahrnehmen müssen. Sie erhalten in dieser Zeit lediglich regelmäßig einen Fragebogen des Insolvenzverwalters zu bedeutenden persönlichen und wirtschaftlichen Veränderungen wie einem Wechsel des Arbeitgebers, einem Umzug oder einer Erbschaft. Diesen müssen Sie wahrheitsgemäß ausfüllen (sog. Obliegenheit). Damit Sie hier keine Fehler machen und Ihre Entschuldung gefährden, helfen wir Ihnen diesbezüglich gern weiter.

Der Insolvenzverwalter verwaltet außerdem weiter Ihr Einkommen und führt die über Ihren Selbstbehalt hinausgehenden Beträge an Ihre Gläubiger ab. Damit Sie während des Zeitraums aber motiviert bleiben, steigt Ihr Selbstbehalt im Laufe der Zeit an.

7. Das Insolvenzplanverfahren

Ebenfalls seit Juli 2014 im Gesetz geregelt ist das sog. Insolvenzplanverfahren. Sollte sich innerhalb der Wohlverhaltensphase etwas an Ihren Vermögensverhältnissen oder der Einstellung Ihrer Gläubiger ändern, ist ein erneuter Einigungsversuch möglich, der die Insolvenz vorzeitig beendet. Sie können in dem Plan ganz individuell entscheiden, welche Quote Sie an Ihre Gläubiger zahlen und wie viel Zeit Sie dafür benötigen. Auch, wenn Ihre Insolvenz bereits vor dem 1. Juli 2014 begonnen hat, können Sie dieses Planverfahren noch für sich nutzen.

8. Die Restschuldbefreiung

Nach Ablauf der Wohlverhaltensperiode entscheidet das Gericht nach einer Zusammenkunft mit Ihnen und Ihren Gläubigern über die Restschuldbefreiung. Es kann sie entweder verbindlich feststellen oder auf einen begründeten Antrag der Gläubiger hin versagen.

Wenn Sie zuvor all Ihre Verpflichtungen erfüllt haben und keine anderen Gründe dagegen sprechen, werden Ihnen (fast) alle noch bestehenden Verbindlichkeiten erlassen. Das bedeutet, dass alle Gläubiger aus dem Insolvenzverfahren ihre Forderungen endgültig nicht mehr durchsetzen können.
Ausnahmen können z.B. für Unterhaltszahlungen bestehen – welche sonstigen Zahlungen in Ihrem Fall offen bleiben könnten, erläutern wir Ihnen gern in einem persönlichen Gespräch.

Außerdem werden alle Einträge in der SCHUFA gelöscht. Zwar bleibt für 3 Jahre ein Eintrag über das Privatinsolvenzverfahren bestehen, dieser wird jedoch nicht als negativ gekennzeichnet und hat damit keine Auswirkungen für Sie.

Das bedeutet: Sie sind wieder schuldenfrei und dürfen nun frei über Ihr gesamtes Einkommen verfügen – Ein neuer Lebensabschnitt beginnt!