Gläubiger und Schuldner sind eng miteinander verflochten. Wirtschaftlich und rechtlich bilden sie ein Tandem. In welcher gegenseitigen Abhängigkeit beide stehen, wird deutlich, wenn der Schuldner in eine finanzielle Schieflage gerät. Dann spürt der Gläubiger die Zahlungsschwierigkeiten schneller als ihm lieb ist – und die Probleme des Schuldners wirken sich sofort auf ihn aus.

In einem Insolvenzverfahren stoßen die unterschiedlichsten und naturgemäß gegensätzlichen Interessen aufeinander. Gläubiger und Schuldner, Lieferanten und Käufer, Mieter und Vermieter, Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie Banken, Gerichte und andere Beteiligte versuchen, ihre berechtigten oder vermeintlich berechtigten Anteile ganz oder weitmöglichst zu retten. Diesem Interessengemenge räumt das Insolvenzrecht einerseits klare Abläufe und andererseits gewisse Spielräume ein, die dazu führen sollen, dass kein Beteiligter auf der Strecke bleibt.

Wir informieren Sie in dieser Rubrik über die häufigsten Konstellationen, in denen sich Gläubiger wiederfinden und aus denen wir Sie sicher herausbegleiten möchten:

Sie als Gläubiger sind nicht allein: Wir stehen an Ihrer Seite und sorgen dafür, dass Ihre berechtigten Forderungen nach Möglichkeit erfüllt werden. Dabei kommt Ihnen unsere breite jahrzehntelange Expertise zugute. Als Berater sind wir auf das Insolvenzrecht spezialisiert und haben als gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter wie auch als Rechtsvertreter von Gläubigern und Schuldnern profunde Erfahrung. Daher sind wir mit den Rechtspositionen und jeweiligen Herausforderungen aller an einem Insolvenzverfahren Beteiligten bestens vertraut und wissen diese für Sie als Gläubiger konsequent zu nutzen.

Frühzeitig Sicherheit schaffen

Wie in der Medizin so gilt auch im Wirtschaftsleben: Vorbeugen ist besser als heilen. Damit Sie als Gläubiger keine Zahlungsausfälle zu beklagen haben, sollten Sie mögliche Risiken schon im Vorfeld minimieren. Denken Sie als Gläubiger also schon vorher an das Nachher!

Das bedeutet: Seien Sie immer besonders sorgfältig, wenn Sie Ihre Vertragspartner auswählen. Schließen Sie Verträge, gehen Sie Verpflichtungen und damit gegenseitige Abhängigkeiten nur mit denjenigen ein, von deren Zuverlässigkeit Sie sich vorher überzeugt haben. Dies geschieht durch:

  • Prüfung der Bonität,
  • Feststellung der angebotenen Sicherheiten,
  • eine rechtssichere Gestaltung von Verträgen.

→ Wir unterstützen Sie hierbei schon im Vorfeld. Und immer, wenn es um Ihre Rechtsstellung als Gläubiger geht, sind wir da: bei der frühzeitigen Vertretung Ihrer Interessen, beim Inkasso und ‒ sofern es doch einmal dazu kommt ‒ im Insolvenzverfahren.

Schnell-Check für Gläubiger

Sobald Sie bei Ihren Schuldnern frühe Anzeichen von Zahlungsschwierigkeiten bemerken, sollten Sie einen Schnell-Check durchführen und mit uns Kontakt aufnehmen.

Schnell-Check für Gläubiger

  • Schuldnerprofil erstellen: Wer genau muss Ihnen gegenüber die Forderungen erfüllen? Was charakterisiert dieses Unternehmen bzw. diese Privatperson (Stärken, Schwächen, aktuelle Lage)?
  • Forderungen erfassen: Um welche Inhalte geht es? Welche Summen stehen auf dem Spiel? Auf welchen Rechtsgrundlagen (Verträgen) beruhen Ihre Ansprüche?
  • Beweggründe skizzieren: Warum sind Sie mit genau diesem Geschäftspartner einen Vertrag eingegangen? Was haben Sie sich davon warum versprochen? Was ist durch die aktuelle Entwicklung jetzt gefährdet?
  • Sicherheiten prüfen: Welche Sicherheiten haben Sie vertragsgemäß erhalten? Wie können Sie diese jetzt zur Wahrung Ihrer Interessen einsetzen?
  • Rest-Chancen für schnelles Inkasso nutzen: Gibt es noch irgendwelche Möglichkeiten, rasch wenigstens einen Teil Ihrer Forderungen einzutreiben?

→ Mit den Ergebnissen dieses Schnell-Checks kommen Sie am besten sofort zu uns, damit wir erste Schritte zur Sicherung Ihrer Interessen einleiten können.

Erstmaßnahme: Das Mahnverfahren

Stehen Forderungen vertragswidrig aus, sollten Sie ihnen über das Mahnverfahren den gehörigen Nachdruck verleihen. Hier ist das schriftliche Mahnverfahren der übliche Weg. Verwenden Sie dazu eine korrekte, von Juristenhand entworfene Vorlage zur Mahnung. Wird die Forderung dann immer noch nicht beglichen, übernehmen wir für Sie alles ‒ bis zum gerichtlichen Mahnverfahren.

Die Vorgehensweise umfasst üblicher Weise drei Stufen:

  • Schritt 1: Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids. Zahlt der Schuldner, ist das Verfahren erfolgreich beendet. Verweigert der Schuldner die Zahlung, beantragen wir den Erlass eines Mahnbescheids.
  • Schritt 2: Erlass eines Mahnbescheids. Dagegen könnte der Schuldner Widerspruch erheben. Dies können wir parieren, indem wir den Erlass eines Vollstreckungsbescheids beantragen. Widersetzt sich der Schuldner, geht die Sache in ein streitiges Verfahren über.
  • Schritt 3: Erlass eines Vollstreckungsbescheids. Dagegen kann der Schuldner Einspruch erheben. Dann besteht die Möglichkeit der Zwangsvollstreckung und bei Widerstand des Schuldners die Eröffnung eines streitigen Verfahrens.

Ein wichtiger Faktor beim Eintreiben Ihrer Forderungen ist die Zeit, die zugunsten einer Verjährung tickt. Obwohl ein verjährter Anspruch noch fortbesteht, kann der Schuldner die Zahlung verweigern, wenn er sich auf die Verjährung beruft. Eine Verjährung tritt dann nicht ein, wenn diese gehemmt wird. Gründe für eine Hemmung können etwa schwebende Verhandlungen oder die zwischenzeitliche Einleitung eines Mahnverfahrens sein.

Auf diese Verjährungsfristen müssen Sie achten:

  • Nach zwei Jahren verjähren Gewährleistungsansprüche aus einem Kaufvertrag und einem Werkvertrag. Im Reisevertragsrecht läuft die Frist ab geplantem Rückreisetermin.
  • Nach 3 Jahren erfolgen die regelmäßige Verjährung nach Ablauf des Entstehungsjahrs und Kenntnis des Gläubigers sowie die Verjährung bei arglistigem Verschweigen eines Mangels der Kaufsache durch den Verkäufer oder bei arglistigem Verschweigen eines Mangels am Werk durch den Hersteller.
  • Nach 5 Jahren laufen die Gewährleistungsrechte ab, die bei Kaufvertrag über ein Bauwerk oder für ein Bauwerk verwendete Gegenstände eingeräumt wurden, ebenso die Gewährleistungsrechte aus Herstellung eines Bauwerks oder Arbeiten am Bauwerk
  • Nach 30 Jahren verjähren Forderungen, die beispielsweise durch Urteile und Vollstreckungsbescheide rechtskräftig festgestellt wurden.

Sie müssen also handeln, bevor es zu spät ist.

Dagegen halten: Insolvenzanfechtung

Droht einem Schuldner die Zahlungsunfähigkeit, kann er den Ausweg über ein Insolvenzverfahren suchen. Dieses will zwei Ziele erfüllen: zum einen das gefährdete Unternehmens sanieren und zum anderen einen gerechten Interessenausgleich der Gläubiger untereinander erreichen. Zu diesem Zweck wird das Vermögen des Schuldners verwertet. Die Gläubiger sollen ihre Forderungen weitest möglich und gleichmäßig erhalten; dabei darf keiner der Gläubiger bevorteilt werden.

Natürlich möchte jeder Gläubiger seine Forderung zuerst erfüllt sehen. Dies birgt die Gefahr von Missbräuchen. Ebenso kann es auch der Schuldner selbst sein, der Vermögen beiseiteschaffen will, um dieses dem Insolvenzverfahren zu entziehen. Dies kann vor allem die Übertragung von Immobilien, aber auch von anderen Vermögenswerten wie beispielsweise Zahlungen an Dritte oder Familienmitglieder betreffen. Um dies zu verhindern, ordnet das Insolvenzgericht ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Verfügungssperre des Schuldners an. Damit darf der Schuldner ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens keine Vermögensverfügungen mehr vornehmen. Zudem erhält der Insolvenzverwalter die Befugnis, in bestimmten Fällen Rechtshandlungen des Schuldners mit einem Gläubiger anzufechten und erfolgte Vermögensverschiebungen rückgängig zu machen.

In Insolvenzverfahren ist häufig mit Anfechtungen des Insolvenzverwalters und damit mit möglichen Beeinträchtigungen der berechtigten Interessen der Gläubiger zu rechnen. Die Vorschriften der Insolvenzanfechtung sind kompliziert und immer wieder Gegenstand der Rechtsprechung. Wer mit einer Insolvenzanfechtung konfrontiert wurde, sollte umgehend zu einem Fachanwalt für Insolvenzrecht gehen. Dieser wird versuchen, die Darstellungen zu entkräften, auf welche der Insolvenzverwalter die Anfechtung und damit eine Rückforderung stützt.

Bisweilen können verzögernde und betrügerische Manipulationen der Schuldner den Charakter von Insolvenzkriminalität annehmen.

Dazu kontaktieren Sie uns bitte oder lesen in unserem kostenlosen Insolvenz-Blog weiter „Grundlagen der Insolvenzanfechtung 2016“.

Mit insolventen Kunden umgehen

Ihre Alarmglocken sollten spätestens dann schrillen, wenn bei Ihren Geschäftspartnern wie etwa Käufern oder Zulieferern das Gericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt oder ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet. Dann müssen Sie sofort alle Hebel in Bewegung setzen, damit die Schuldner Ihre bestehenden Ansprüche noch erfüllen, also alle Rechnungen bezahlen und ihren Leistungsverpflichtungen wie beispielsweise Lieferungen nachkommen.

Doch der Insolvenzverwalter wird im Normalfall alle Zahlungen blockieren, solange das Schuldnervermögen erst noch zu ermitteln ist und nicht verwertet werden kann. Damit bleiben Ihre Rechnungen zunächst unbeglichen und mögliche weitere Ansprüche (Dienstleistungen, Lieferungen) unerfüllt. Stattdessen müssen Sie Ihre Forderungen zur Aufnahme in die Insolvenztabelle anmelden, in die der Insolvenzverwalter sämtliche ihm bekannt gegebenen und von ihm dann geprüften Forderungen der Gläubiger einträgt.

In einer besseren Position sind Sie, wenn Sie sich frühzeitig vertraglich ‒ wie es Banken gerne tun ‒ bestimmte Sicherungsrechte haben einräumen lassen. Das kann ein Eigentumsvorbehalt, eine Sicherungsübereignung oder eine Grundschuld sein. Denn diese Rechte genießen Vorrang vor den übrigen Forderungen.

Sie sehen schon: Es kann zu einer schwer durchschaubaren Gemengelage kommen, da beim Schuldner die unterschiedlichsten Interessen, Rechtspositionen und Forderungsinhalte zusammentreffen. Hier gilt es mit allen Beteiligten ‒ dem Schuldner, dem Insolvenzverwalter und vielleicht den anderen Gläubigern ‒ zu verhandeln.

→ Am besten fahren Sie, wenn Sie uns als Fachanwälte für Insolvenzrecht mit der Wahrung Ihrer Interessen einschalten und in Ihrem Sinne verhandeln lassen. Wir achten dabei sowohl auf Ihre berechtigten Forderungen als auch auf Ihre Geschäftsbeziehungen. Denn sie könnten es gerade bei Ihnen wichtigen Lieferanten und Dienstleistern wert sein, trotz einer Krisensituation aufrecht erhalten zu werden.

Wenn der Arbeitgeber insolvent wird

Gerät ein Unternehmen in Insolvenz, sind neben den Geschäftspartnern auch die Arbeitnehmer betroffen. Meist geht es den Beschäftigten um die Gewährleistung der laufenden regelmäßigen Zahlungen wie Lohn, Gehalt und Sozialversicherungsbeiträge sowie diverse mögliche Extras und grundsätzlich um den Fortbestand der Arbeitsplätze. Dass solche Krisensituationen tiefe Emotionen und Ängste auslösen, ist menschlich sehr verständlich. Auch juristisch ist dies eine große Herausforderung, weil hier zum Insolvenzrecht noch unterschiedlichste Rechtsgebiete wie etwa das Arbeitsrecht, das Sozialversicherungsrecht, Gewerberecht usw. hinzutreten.

Sie sind als Arbeitnehmer im Falle einer Unternehmensinsolvenz in der Position des Gläubigers; denn der Arbeitgeber schuldet Ihnen ja die vereinbarten, meist monatlichen Zahlungen. Dabei müssen Sie auf die Rolle des Insolvenzverwalters achten, der in den fundamentalen finanziellen Fragen an die Stelle des Arbeitgebers tritt, weil dieser keine uneingeschränkte Verfügungsgewalt mehr über das Unternehmen hat. Der Insolvenzverwalter nimmt von seinem gerichtlichen Auftrag her nicht primär Ihre Arbeitnehmerinteressen wahr, sondern die der externen Gläubiger. Seine Entscheidungen können daher durchaus konträr zu Ihren Anliegen sein. Andererseits hat er auch Ihre Interessen als interne Gläubiger beachten und wird sie, wo er sie in Einklang mit den anderen zu bringen vermag, auch berücksichtigen.

Die wichtigsten Knackpunkte, um die es speziell bei Ihnen als Arbeitnehmer aus unserer langjährigen Erfahrung nun geht:

  • Ihr Gehalt oder Ihr Lohn ist noch nicht eingetroffen bzw. künftig gefährdet. Am Zahlungsverzug Ihres Arbeitgebers ist jetzt, nachdem der Insolvenzverwalter die finanzielle Verantwortung für das Unternehmen übertragen bekommen hat, kaum mehr etwas zu machen. Aber der Gesetzgeber hat für Erste Hilfe in Form einer finanziellen Überbrückung gesorgt: das Insolvenzgeld, das für die letzten drei Monate vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgezahlt werden kann. Doch Vorsicht: Ist lediglich ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt, dann entspricht das noch nícht der Eröffnung eines offiziellen eine Insolvenzverfahrens. Erst mit dessen Eröffnung kann nämlich das Unterstützungsgeld bei der Agentur für Arbeit innerhalb von zwei Monaten beantragt werden. Rechtzeitig stellen muss ihn der Arbeitnehmer, sofern der Insolvenzverwalter dies nicht tut oder tun kann. Was man wissen muss: Das Insolvenzgeld gibt es nur im Rahmen der für die Rentenversicherung geltenden Beitragsbemessungsgrenze und ist demzufolge in der Höhe gedeckelt. Wer vorher mit Lohn oder Gehalt über dieser Grenze lag, muss daher mit Einbußen rechnen, die er nur durch Verhandlung mit dem Insolvenzverwalter ausgleichen kann.
  • Ihr Arbeitsplatz ist gefährdet, weil es zu Personalanpassungen kommt. Das ist das Schlimmste, was Arbeitnehmern passieren kann. Wenn das Insolvenzunternehmen die Zahl der Beschäftigten aus Kostengründen reduzieren muss, greifen die Verantwortlichen in der Regel zu zwei Maßnahmen: Zum einen bieten sie Aufhebungsverträge, gekoppelt mit entsprechenden Abfindungen, an, zum anderen sprechen sie betriebsbedingte Kündigungen aus. Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, wird meist eine Betriebsvereinbarung, ein sogenannter Interessenausgleich, ausgehandelt, der einen Sozialplan mit Liste der Namen der vom Arbeitsplatzverlust Beschäftigten enthält, die Bedingungen und Höhe der Abfindungen konkretisiert und weitere Übergangsregeln aufstellt. Zudem kann die Einrichtung einer Transfergesellschaft vereinbart werden, die in Form einer Beschäftigungs- oder Qualifizierungsgesellschaft den Arbeitnehmern den Übergang in einen externen Arbeitsplatz oder anderen Beruf durch Weiterbildung, Training und finanzielle Unterstützung ermöglichen soll. Wegen der Brisanz der Situation erleichtert die Insolvenzordnung die ansonsten strengen Vorschriften zur Kündigung, etwa durch Verkürzung der Fristen. Der Insolvenzverwalter hat generell einen Entscheidungs- und Handlungsspielraum, den er zugunsten der externen Gläubiger auch nutzen wird.
  • Bei Betriebsübergang können sich Ihre Chancen auf den Arbeitsplatzerhalt erhöhen. Findet der Insolvenzverwalter einen Interessenten, der das gefährdete Unternehmen vollständig oder in Teilen übernehmen möchte, dann kann für die betroffenen Arbeitnehmer ein Anspruch auf Wiedereinstellung entstehen.
  • Achten Sie auf die Sicherung Ihrer betrieblichen Altersversorgung! Wenn Sie vom bisherigen Arbeitgeber eine Direktzusage für eine Betriebsrente, regelmäßige Einlagen in einen Pensionsfonds oder eine wie immer gestaltete Kapitallebensversicherung erhalten haben, kann dies durch die Unternehmensinsolvenz gefährdet sein. Falls alle Dämme brechen, könnte unter Umständen der Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG), eine Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft zum gesetzlichen Schutz der betrieblichen Altersversorgung bei der Insolvenz des Arbeitgebers, einspringen.
  • Wenn Sie Geschäftsführer des Insolvenzunternehmens sind, haben Sie eine Sonderrolle. Als Vertretungsorgan der Gesellschaft gelten Sie nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes. Ausnahme: Sie verfügen weder über die Mehrheit der Gesellschaftsanteile noch über eine Sperrminorität; dann können Sie als abhängig beschäftigter Arbeitnehmer eventuell diverse Unterstützungshilfen wie Insolvenzgeld beziehen. Auf jeden Fall verlieren Sie Ihre Rechtsstellung als Vertreterorgan, sobald das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Insgesamt sind die weiteren Zusammenhänge jeweils von der konkreten Konstellation abhängig.

Viele Sachverhalte können in der Praxis außerordentlich kompliziert sein. Wenn auch das Gesetz ein dichtes Regelwerk enthält, eines ist gewiss: Bei einer Insolvenz steht für Sie sehr viel auf dem Spiel: Ihre Interessen, Ihr Einkommen, vielleicht sogar Ihre berufliche Existenz. Deshalb brauchen Sie auf jeden Fall rechtlichen Rat. Denn auf den Insolvenzverwalter, so sorgfältig und umsichtig er sein mag, können Sie sich nicht verlassen, weil er seine ihm vom Gericht übertragene, nicht einfache Aufgabe zu erfüllen hat.

→ Wer Ihre rechtlichen und finanziellen Interessen wahrnimmt, sind wir. Und das tun wir auf der ganzen Linie: Wir sorgen dafür, dass Ihnen im gesamten Verfahren soweit wie möglich keine Nachteile entstehen, verhandeln mit dem Insolvenzverwalter, prüfen ‒ was sehr wichtig ist ‒ Fristen, stellen alle notwendigen Anträge auf unterschiedliche Leistungen wie z. B. Insolvenzgeld und Arbeitslosengeld, wir prüfen alle Angebote und Maßnahmen. Und wir helfen Ihnen mit fachlicher Unterstützung und menschlicher Begleitung durch die ohnehin schwierige Situation.

Insolventen Mietern oder Vermietern begegnen

Gerade bei Rechtsbeziehungen, die auf längere Dauer angelegt sind, greift ein Insolvenzverfahren tief in tatsächliche Verhältnisse ein. Das gilt auch für vermietete Immobilien, egal ob es sich um private oder gewerbliche Objekte handelt.

Ist der Mieter zahlungsunfähig und wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, so kann das Mietverhältnis deswegen nicht gleich gekündigt werden. Selbst bei einem Rückstand des Mietzinses kann der Vermieter nicht schon kündigen, bevor das Insolvenzverfahren beantragt ist. Dies kann er nur, wenn der Mieter mindestens zwei Monate im Zahlungsrückstand ist. Wurde das Insolvenzverfahren bereits eröffnet, muss die Kündigung nun gegenüber dem Insolvenzverwalter erfolgen.

Wichtig ist also der Kündigungszeitpunkt. Der Vermieter kann die bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausstehende Miete als Forderung zur Insolvenztabelle anmelden. Unter besonderen Schutz hat der Gesetzgeber allerdings die Wohnung des Schuldners gestellt, indem Ansprüche, die in diesem Fall nach der Frist von drei Monaten fällig werden, nicht im Insolvenzverfahren zur Geltung gebracht werden können. Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, dann gehen Mietzinsforderungen ab diesem Zeitpunkt in die Verbindlichkeiten der Insolvenzmasse ein und müssen vom Verwalter beglichen werden. Um diese Verpflichtung zu begrenzen, kann der Insolvenzverwalter innerhalb von drei Monate zum Monatsende kündigen.

Zur Absicherung besteht bei gewerblichen Objekten ein Vermieterpfandrecht. Danach kann sich der Vermieter zur Einlösung seiner Forderungen an allen Sachen im Eigentum des Mieters schadlos halten, sofern sie frei von Rechtsansprüchen Dritter wie etwa von Banken und Leasingunternehmen sind. Dies kann auch durch den Insolvenzverwalter geschehen, der dann den Erlös nach der Verwertung dem Vermieter zukommen lassen muss. Handelt es sich bei der Immobilie um den Wohnraum des Schuldners, ist das Vermieterpfandrecht eingeschränkt; so hat er etwa auf die Wohnungseinrichtung und persönliche Gegenstände des Mieters keinen Zugriff. Kautionen werden mit den Verbindlichkeiten verrechnet.

Ein weiterer wichtiger Posten sind die anfallenden Betriebskosten einer Immobilie. Wie sie behandelt und wann sie beglichen werden, hängt wiederum vom Insolvenzverfahren ab. Vor der Eröffnung sind sie zur Insolvenztabelle anzumelden. Sobald das Verfahren läuft, muss der Insolvenzverwalter für die Betriebskosten aufkommen.

Bei gewerblichen Objekten geht es meist auch um die Räumung der möglicherweise dort gelagerten Bestände an Waren, Maschinen oder anderen Gegenständen und die Übernahme der dabei entstandenen Räumungskosten. Die Freigabe und Abwicklung obliegt dem Insolvenzverwalter.

Etwas seltener, aber durchaus Realität ist die Zahlungsunfähigkeit des Vermieters. Fürs erste hat der Mieter keine einschneidenden Änderungen zu erwarten, außer dass er bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens nun vom Insolvenzverwalter erfragen muss, an wen er künftig seinen Mietzins zu entrichten hat. Umso schwieriger kann es später werden, wenn das private oder gewerbliche Mietobjekt verkauft oder gar zwangsversteigert werden soll, weil die finanzierenden Banken oder der Insolvenzverwalter ein starkes Interesse an der Liquidation haben.

→ Überlassen Sie uns die Prüfung Ihrer Miet- oder Pachtverträge und die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter. Wir helfen bei der Beurteilung Ihrer persönlichen Immobilien-Situation und finden für Sie heraus, was in diesem Zusammenhang weiterhin zu tun ist.

Sicher durch das Insolvenzverfahren gelangen

Mit dem Insolvenzverfahren hat der Gesetzgeber ein klar gestaltetes, aber in der Praxis sehr komplex anzuwendendes Instrument geschaffen. Er will damit die wirtschaftlichen und rechtlichen Probleme rund um die Zahlungsunfähigkeit von Unternehmen und Privatpersonen für sämtliche Parteien möglichst konstruktiv lösen. Der Grundgedanke ist: Es gibt immer eine Zeit nach der Krise, die allen Beteiligten wieder Luft zum Atmen und zum Fortbestehen geben sollte. Das Leben muss weitergehen und auch in der Zukunft reelle Chancen bieten können.

Mit unserer fachlichen Expertise bringen wir Sie als Gläubiger sicher durch das Insolvenzverfahren. Wir kennen die Fallstricke, die auf Sie lauern können. Beginnen Sie am besten mit unserem Schnell-Check für Gläubiger und helfen Sie uns, alle Ihre Forderungen mit Belegen zusammenzutragen und zu untermauern, damit wir sie hieb- und stichfest beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle anmelden können.

Wir verhandeln für Sie, gestalten Sicherungsrechte wie beispielsweise Eigentumsvorbehalte, Pfandrechte, Sicherungsübereignungen und Abtretungen zu Ihren Gunsten und vertreten Ihre Interessen in der Gläubigerversammlung, im vorläufigen Gläubigerausschuss und, falls es dazu kommt, im Eigenverwaltungs- und Insolvenzplanverfahren.

Das ist durch die seit einigen Jahren neue Rechtslage besonders wichtig. Denn die frühere Konkursordnung hatte strikt die Position des Gläubigers gestärkt. Die neue Insolvenzordnung dagegen räumt den Schuldnern größere Chancen ein, am Wirtschaftsleben so weit wie möglich weiterhin teilzunehmen. Dies schränkt Ihre Rechte als Gläubiger teilweise ein. Deshalb wird ein abgestimmtes, effektives und schnelles Handeln im Insolvenzfall eines Schuldners besonders wichtig.

→ Wir sind Ihre Schnittstelle zum Insolvenzverwalter und begleiten Sie durch das gesamte Insolvenzverfahren, um Ihre Forderungen soweit wie möglich zu realisieren und alle Ihre Rechte zu wahren. Sie können sich auf uns verlassen.